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Die Ritterburg

Die sieben grünen Raupen aus RaupenparadAIs besuchen die Ritterburg im Traumzauberland. Vor dem Burgtor mit dem goldenen Schlüssel-Wappen werden sie von zwei freundlichen Ritterinnen und Rittern begrüßt. Edvin trägt seine Sonnenbrille und schaut durch ein Fernrohr, Tova trägt ihre Blume, Lovis seinen Regenbogen-Schal, Rosa ihre rote Schleife, Karl seine braune Schiebermütze, Clara ihren gelben Schal und August seinen Blatthut. Im Hintergrund steht der Traumzug, über der Burg fliegt ein kleiner Drache und im Burghof sind Tauben und ein Eichhörnchen zu sehen.

In dieser Nacht fuhr der Traumzug einen Weg, den die sieben Raupen noch nie zuvor gesehen hatten.

Er schlängelte sich über steinerne Brücken, durch grüne Wälder und vorbei an glitzernden Seen. Langsam wurde der Weg steiler, bis schließlich hoch oben auf einem Felsen eine gewaltige Burg erschien.

Ihre Türme ragten bis in die Wolken. An den Mauern wuchsen Efeu und bunte Blumen, und auf den Fahnen wehte überall dasselbe Zeichen:

Ein goldener Schlüssel.

„Das ist sie“, sagte Zugführer Ernst lächelnd. „Die Ritterburg.“

Mit einem leisen Zischen hielt der Traumzug vor der Zugbrücke.

Kaum waren die sieben Raupen ausgestiegen, öffnete sich das große Burgtor.

Zwei Ritter kamen ihnen entgegen.

Der eine trug eine silberne Rüstung mit einem violetten Umhang.

Die andere glänzte in einer goldenen Rüstung mit einem dunkelblauen Wappenrock.

Beide nahmen ihre Helme ab und lächelten freundlich.

„Willkommen in der Ritterburg“, sagte die Ritterin.

„Ich bin Ritterin Helena.“

„Und ich bin Ritter Leon“, ergänzte ihr Begleiter.

Edvin schaute sich neugierig um.

„Wo bewahrt ihr eure Schätze auf?“

Die beiden Ritter mussten lachen.

„Kommt mit.“

Gemeinsam gingen sie durch den Burghof.

Überall arbeiteten Bewohnerinnen und Bewohner zusammen. Manche reparierten Dächer, andere kümmerten sich um den Garten oder backten Brot für alle.

Nirgends sah man Gold oder funkelnde Edelsteine.

„Wo ist denn eure Schatzkammer?“, fragte Karl.

Ritter Leon blieb vor einer schweren Eichentür stehen.

„Hier.“

Langsam öffnete er sie.

Die sieben Raupen blickten gespannt hinein.

Doch statt Kisten voller Gold entdeckten sie Hunderte kleiner Holzschränke.

Jeder besaß ein eigenes Schloss.

Darüber hing ein Schild.

Saal der Versprechen

„Versprechen?“, fragte Lovis erstaunt.

Ritterin Helena nickte.

„Jedes Versprechen, das hier gegeben wird, bekommt einen eigenen Schlüssel.“

Sie nahm einen kleinen goldenen Schlüssel aus einer Schublade.

„Dieser Schlüssel erinnert nicht daran, eine Tür zu öffnen.“

„Woran dann?“, fragte Clara.

„Daran, sein Wort zu halten.“

Die Raupen sahen sich staunend an.

So eine Schatzkammer hatten sie noch nie gesehen.

Währenddessen bemerkte Tova einen wunderschönen Burggarten.

Zwischen Lavendel, Rosen und Heilkräutern summten Bienen und Schmetterlinge.

Ein kleines Kaninchen versuchte vergeblich, einen umgefallenen Blumentopf aufzurichten.

Natürlich half Tova sofort.

Gemeinsam stellten sie den Topf wieder auf.

„Danke“, piepste das Kaninchen glücklich.

Edvin entdeckte auf einem Burgturm ein altes Fernrohr.

Neugierig schaute er hindurch.

„Ich kann den Traumzug sehen!“

„Und…“

Er blinzelte.

„Ich glaube, dort hinten beginnt schon der Singende Wald.“

„Nicht so schnell“, lachte Ernst.

„Heute bleiben wir erst einmal hier.“

Karl blieb vor einer alten Ritterrüstung stehen.

Sie war größer als alle Raupen zusammen.

Gerade als er sie vorsichtig berühren wollte, hob die Rüstung plötzlich den Arm.

Karl erschrak.

Doch gleich darauf begann die Rüstung herzlich zu lachen.

„Keine Sorge“, sagte sie.

„Ich begrüße nur alle Gäste.“

Alle mussten lachen.

Rosa untersuchte währenddessen aufmerksam das große Wappen über dem Burgtor.

Der goldene Schlüssel darauf sah genauso aus wie der auf dem Wappen in der Bibliothek der Träume.

„Das kann doch kein Zufall sein“, murmelte sie.

Ritterin Helena bemerkte ihren Blick.

„Du hast ein gutes Auge.“

Sie führte die sieben Raupen in einen kleinen Raum.

An der Wand hing ein uraltes Gemälde.

Darauf war dieselbe Bibliothek zu sehen, die sie erst vor kurzem besucht hatten.

Daneben stand eine Ritterin und überreichte Professorin Angela einen goldenen Schlüssel.

„Früher gehörten die Bibliothek und die Ritterburg eng zusammen“, erklärte Helena.

„Die Bibliothek bewahrt Geschichten.“

„Und wir bewahren Versprechen.“

„Beides gehört zusammen.“

„Warum?“, fragte August.

Helena lächelte.

„Weil jede gute Geschichte mit einem Versprechen beginnt.“

Die sieben Raupen dachten darüber nach.

Da fiel Rosa etwas auf.

Auf dem Gemälde fehlte etwas.

Genau dort, wo Professorin Angela den Schlüssel entgegennahm, war eine kleine Ecke übermalt worden.

„Was war dort ursprünglich?“, fragte sie.

Die Ritterin betrachtete das Bild lange.

„Das weiß heute niemand mehr.“

„Nicht einmal wir.“

In diesem Moment flatterte Funkel durch den Raum.

Der kleine Stern drehte eine fröhliche Runde um das Gemälde und blieb einen Augenblick genau über der übermalten Stelle stehen.

Dann zwinkerte er den Raupen zu.

Und verschwand wieder.

„Er macht das schon wieder“, flüsterte Lovis.

„Immer wenn wir einem Geheimnis näherkommen.“

Langsam wurde es Abend.

Die Burgmauern leuchteten im warmen Licht der untergehenden Sonne.

Bevor die sieben Raupen zum Traumzug zurückkehrten, überreichte Ritter Leon ihnen einen kleinen Schlüssel aus hellem Holz.

„Dieser Schlüssel öffnet keine Türen.“

„Aber vielleicht erinnert er euch an etwas Wichtiges.“

„Woran denn?“, fragte Clara.

Leon lächelte.

„Dass Vertrauen der wertvollste Schlüssel überhaupt ist.“

Die sieben Raupen bedankten sich.

Als der Traumzug wieder anfuhr, blickten sie noch einmal zurück.

Die Fahnen mit den goldenen Schlüsseln wehten im Abendwind.

Edvin hielt den kleinen Holzschlüssel vorsichtig fest.

„Ich glaube“, sagte er leise, „dass wir dem fehlenden Buch ein kleines Stück näher gekommen sind.“

Ernst nickte.

„Und manchmal reicht genau das für einen Traum.“

Als die Ritterburg hinter den Hügeln verschwand, hörten die Raupen plötzlich eine leise Melodie.

Sie kam aus einem Wald voller hoher Bäume.

Die Blätter bewegten sich im Wind.

Und sie klangen…

…als würden sie singen.


💭 Traumgedanke

Ein Versprechen ist wie ein Schlüssel. Es öffnet nicht nur Türen, sondern auch Vertrauen.


💬 Und jetzt bist Du dran

Welches Versprechen findest Du besonders wichtig – eines, das man sich selbst oder anderen geben kann?